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Ein würdevoller und bewegender Abschied unseres Altkanzlers Dr. Helmut Kohl

Donnerstag, 06. Juli 2017, 15:17 Uhr

„Helmut Kohl gab uns die Chance, an etwas beteiligt zu sein, das größer ist als wir selbst.“

Mit diesen Worten ehrte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton am vergangenen Samstag pointiert beim Trauerakt unseren Kanzler der Einheit in Straßburg. Für mich war es ein bewegender und würdevoller Abschied, welcher den Taten Helmut Kohls die nötige Hochachtung zukommen ließ und gebührend an seine historischen Leistungen erinnerte.

Neben Bill Clinton sprachen u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk sowie der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, aber auch der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedew. Dabei haben mich die Worte unserer Bundeskanzlerin beeindruckt, welche durch ihre Erinnerungen hervorhob, dass die Unversöhnlichkeit, welcher wir in unserem Leben begegnen, im Tode keine Rolle spielen darf. Ein Gedanke, den ich als Christdemokrat besonders hervorheben möchte.

Viel wurde im Vorfeld über den Ort und die Art und Weise der Ausrichtung des geschichtsträchtigen und in dieser Weise erstmaligen Aktes diskutiert. Mit Helmut Kohl als einem der drei Ehrenbürger Europas war es meiner Meinung nach richtig, ihm zum Abschied einen europäischen Rahmen zu geben. Unbestreitbar war er unser Kanzler der Einheit, seine Politik war jedoch immer beeinflusst vom europäischen Gedanken. Er war letztendlich einer der Väter der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen und sorgte dafür, dass Dinge zur Selbstverständlichkeit wurden, an welchen wir heute kaum mehr zu zweifeln wagen. Die Vereinigung Ost- und Westeuropas, der gemeinsame Binnenmarkt, der Wegfall von Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten und unsere gemeinsame Währung sind dabei nur einige wenige Beispiele. Straßburg steht zudem wie keine andere Stadt für die Aussöhnung der Erbfeinde Deutschlands und Frankreichs nach dem zweiten Weltkrieg. Da es Kohl zeitlebens und vor allem zu Beginn seiner Kanzlerschaft ein Anliegen war, mit Frankreich ins Gespräch zu kommen, hätte kein anderer Ort so gut für seinen Abschied gepasst.

In Straßburg standen wir nun alle zusammen, um Helmut Kohl zu verabschieden. Symbolisch war dies meines Erachtens in zweierlei Hinsicht. Zum einen erinnerte er uns noch einmal daran, dass die europäische Idee keine Selbstverständlichkeit ist. Wir dürfen dies nicht aus den Augen verlieren. Eine kritische Betrachtung des europäischen Projektes bei gleichzeitigem Weitblick für zukünftige Herausforderungen schließen sich dabei nicht aus.

Zum zweiten vermochte es Kohl, selbst im Tode Menschen zusammenzubringen, welche sonst vielleicht momentan nicht unbedingt miteinander sein wollen. Differenzen auszuräumen und nicht in Grenzen zu denken, dies war Helmut Kohls Maxime, nach der wir auch unser heutiges Handeln ausrichten sollten.

Pressemitteilung des Europäischen Parlaments:

http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20170629IPR78645/abschied-vom-ehrenburger-europas-helmut-kohl

Bildunterschrift: Trauerakt für Helmut Kohl im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg

Foto: Europäisches Parlament

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